Erste Hilfe
bei
Pferdeunfällen und Krankheiten
Richtig reagieren bei einem Unfall
oder bei Krankheit des Pferdes:
Es geht hier darum, dem Tierarzt im Notfall (am Telefon oder auch persönlich) den Sachverhalt nüchtern zu erklären und nicht, wie in solchen Situationen üblich, in Panik zu verfallen und keine konkreten Angaben mehr machen zu können.
PAT:
Am wichtigsten sind die PAT Werte (Puls, Atmung, Temperatur)
PULS:
Normal sind 28-40 Schläge pro Minute.
Der Puls ist bei Belastung deutlich erhöht:
- Reitpferde bis 100,
- Rennpferde bis 200,
Er sollte nach 10 Min. nach der Belastung aber wieder unter 70 sein.
Bei Koliken kann der Ruhewert bis 60 steigen.
Eine zu tiefe Ruhefrequenz ist gefährlicher als erhöhte, da die Herzfrequenz vermindert ist (z. B. im Schockzustand).
Puls messen:
Gemessen wird der Puls:
- in den Ganaschen am Übergang zum Unterkiefer
- an der Gesichtsarterie vom Augenwinkel nach hinten
- zwischen tiefer und oberflächlicher Beugesehne (vorne innen, hinten)
- außen an den Extremitäten (nur bei Entzündungen)
- am Fesselkopf (nur bei Entzündungen)
Die Pulsschläge werden 15 sec. lang gezählt und das Ergebnis mit 4 multipliziert.
TEMPERATUR:
Die Temperatur beträgt: 37,5 bis 38,2 C.
Sie kann höher sein bei:
- jüngeren
- trächtigen oder rossigen Stuten
- fressenden und verdauenden Pferden (also kurz nach dem Fressen)
- arbeitenden Pferden
Temperatur messen:
Gemessen wird am besten mit einem Digitalthermometer (gleitfähig machen!) im After.
ATMUNG:
Normal sind: 8 bis 14 Atemzüge pro Minute.
Ab 20 Atemzügen ist der Zustand des Pferdes zumindest verdächtig.
Normal ist eine Bauch- und Brustatmung in Mischform.
Kranheitszustände:
- Bei Kolik oder Trächtigkeit herrscht Brustatmung vor. (Costale Atmung)
- Bei Lungenproblemen, Rippenverletzungen oder eindringen eines Fremdkörpers im Brustbereich kommt es zur Bauchatmung (abdominale Atmung)
Beobachten der Atemtätigkeit:
Die Atemtätigkeit kannst Du am besten sehen, wenn Du schräg hinter dem Pferd stehst und die Flanken beobachtest.
Du solltest 30 Sekunden zählen und dann den Wert mit 2 multiplizieren.
Weiter ist für den Tierarzt wichtig:
- WAS? z.b. entzündliche Schwellung, blutende Wunde
- WO? z.b. im Oberkieferknochen
- ALLGEMEINZUSTAND? z.B, Fieber, trübe Augen, erhöhte Atmung oder Puls
- WIE LANGE? z.B. seit der Morgenfütterung
- FRESSLUST?
- WANN & WIE OFT GEMISTET? z.B, bei Koliken
Durchblutungszustand der Schleimhäute:
Ferner ist auch der Durchblutungszustand der Schleimhäute wichtig (Nasen; Aufrollen der Nüsternfalte, Augen, Mund).
Diese sind normalerweise immer hellrosa.
Druckprobe:
Fingerdruck auf das Zahnfleisch.
Die weiße Stelle muß nach spätestens 2 sec. wieder hellrosa sein.
Kreislaufaktivität:
Die Kreislaufaktivität wird durch die Stauprobe an der Drooselvene festgestellt:
Druckprobe:
Die Drosselvene wird eine Handbreit über dem Brusteingang abgedrückt, und muß innerhalb von 2 Sekunden gefüllt sein. (Man sieht, wie sie sich von unten nach oben füllt).
Bei Kolik ist die periphere Kreislauffunktion vermindert, d.h.es dauert länger als 2 Sekunden.
(Du solltest Dir diese Probe einmal vom Tierarzt zeigen lassen.)
Praxis-Tip:
Empfehlenswert ist, dies alles beim gesunden Pferd festzustellen und zu üben, damit man es im Notfall kann und auch die Normalwerte seines Pferdes kennt.
Ich glaube, dass diese Tipps für alle Pferdebesitzer und Reiter wichtig sind.
Herzliche Grüße, Ruth - martin.mayr@utanet.at
Reiterin:
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